Ich…

…erzähle aus meinem Leben. Meine Diagnosen und Symptome gehören dazu. Und ich möchte klarstellen, dass ich gnadenlos ehrlich bin und nicht vorhabe, einzelne Worte mit Sternchen auszukreuzen. Denn meiner Meinung nach ist das ziemlich sinnlos. Man weiß sowieso was es heißen soll. Und ich denke, dass das allein schon ausreicht um evtl. zu Triggern. Ich schreibe auch keine „Trigger Warnungen“ in den Titel, da ich der Meinung bin, dass das jeder für sich selbst eintscheiden muss. Und wer sich auf meinem Blog umschauen mag, der weiß was er tut.

Die einzelnen Posts sind Momentaufnahmen. Also keine Panik, selbst wenn es dort geschrieben steht, habe ich nicht vor dem Leben ein Ende zu setzten. Es mag einzelne Momente geben, in denen der Gedanke zwar da ist, die Umsetzung aber nicht erfolgt.

Ich lese mein Geschriebens nicht bevor ich es poste. Also kann es durchaus vorkommen, dass es manchmal vielleicht ein bisschen krass ausgedrückt ist. Aber, so bin ich nunmal. Und auch die Rechtschreibfehler gehören dazu 🙂

So, dann bleibt mir nur noch zu sagen: „Viel Spaß? beim Lesen“

Gedanken

Ohne blauen Nebel dreht sich das Gedankenkarussel ununterbrochen. Es geht harmlos los, wird unübersichtlich bis hin zum Überschlag. Der Alltag wird zum Hindernislauf. „Denk an die Milch! Du musst doch immer drei Liter im Kühlschrank haben.“ Beim kurzem klaren Moment: Ja, klar, sonst wird ja mit Sicherheit die Welt untergehen. Schon der Sprung: Nein, nicht wegen der fehlenden Milch wird sie untergehen, sondern weil die verfluchte Menschheit alles zerstören muss und ja ach so schlau ist. „DENK EINFACH AN DIE MILCH!“ Ach ja, die Milch… verdammt, warum ist schon wieder Nachmittag? Wo ist die Zeit hin? „Wen interessiert das, wenn du immer noch keine Milch geholt hast?“

Ich will wieder blau sehen! Ich will wieder Ruhe im Hirn! Ich will wieder malen können! Ich will wieder vergessen! VOR ALLEM DIESE SCHEISS MILCH

Eine Frage der Zeit

Irgendwann wird es besser. Irgendwann wird es anders. Irgendwann ist es gut.

Bla, bla, bla…

Ja, es war schon schlechter. Ja, es war schon anders. Ja, es war schon gut.

Aber alles nur relativ.

Aus der Tavorzeit fehlen viele Erinnerungen,aber irgendwie hatten die Tage mehr Stunden. Viele Dinge blieben unbewusst problematisch. Heute bleiben viele Dinge bewusst problematisch und in Erinnerung. Und die Stunden verrinnen im Nirgendwo.

War das Besser auch nur eine Frage der Zeit? Oder ist es auch nur relativ zu betrachten? Vielleicht ja irgendwann

Verändert

So ohne Tavor wirken die Tage kürzer. Weil so Vieles wahrgenommen wird. Weil so Vieles durchdacht werden kann. Weil so Vieles gemacht werden will. Und plötzlich die Devise lautet: Man kann, muss aber nicht.

Manchmal kommen sie zwar, die Momente, die einen an den Rand des Rückfalls treiben. Aber will man das wirklich? Wieder zurück in den Nebel? Wieder nur der Zuschauer sein?

Nein! Dazu wurde zu viel gekämpft. Zu viel verändert. Zu viel erreicht. Und zu oft festgestellt, dass man mehr schaffen kann, als man gedacht hat. Und allein, dass man sich an Gestern erinnern kann, macht den Kampf gegen die kleinen Pillchen sinnvoll. Ja, die Kleinigkeiten machen das Große aus. Jetzt ist nicht alles gut, bei weitem nicht, aber irgendwie trotzdem besser. Und vielleicht auch einfach nur anders…Auf alle Fälle nicht schlechter. Und das ist das Wichtigste

Neue Strategien

Ja, es gab und gibt sie, die kritischen Momente in denen die Panik wieder die Oberhand gewinnen will. Aber, es gibt auch neue Strategien um diese Momente in den Griff zu bekommen. Es wird versucht sich durch tiefes Ein- und Ausatmen zu beruhigen und sich wieder vor Augen halten, dass man jetzt doch nicht mehr klein und hilflos ist. Wenn man dann wieder einigermaßen klar denken kann, dann hilft es manchmal weiter, dass alles was durch den Kopf schießt aufgeschrieben wird. Egal wie sinnlos alles geschriebene erscheint, Hauptsache es wird irgendetwas getan. Sollte dies noch nicht ausreichen, bleibt als ultimative Lösung die Fernbedienung und RTL2. Da wird es einem so schnell Angst Bange, dass man auch so vermüllt und verdreckt enden kann, dass man sofort anfängt aufzuräumen und nach 30 Minuten dieses blinden Aktionismuses fluchtartig die Wohnung verlässt. Schon wurden mehrere Dinge erreicht:

1. Die Panik ohne große Zwischenfälle überwunden.

2. Die Lethargie schon im Vorfeld unterbunden.

3. Die Wohnung ohne Gedanken an Angst verlassen

4. Sich in Bewegung gesetzt

5. Im Hier und Jetzt geblieben

6. Wenig Gedanken an Tavor verschwendet

Also, eigentlich muss man wirklich dankbar für diese Schrottsendungen sein. Auch wenn es schwer fällt sich so was einzugestehen…

Komisch…

…wenn man plötzlich Täterintrojekte erkennt.

…wenn man Hilfe suchen nicht mehr als persönliches Versagen ansieht.

…wenn man versteht, dass Verweigerungshaltung geholfen hat zu überleben.

…wenn man langsam anfängt zu akzeptieren, dass da so ein total verletzter, kleiner, hilfloser Anteil in einem ist.

…wenn man froh ist, dass man wieder Medikamente bekommen hat.

…wenn man erkannt hat, dass Tavor eben nicht nur abhängig macht, sondern die typischen Suchtsymptome nach sich zieht.

…wenn man anfängt zu verstehen, warum man nach nur fünf Wochen zuhause wieder für fünf Wochen in der Klinik gelandet ist.

…wenn man trotz allem so gerne wieder Tavor zuhause hätte.

…wenn man wieder klar denken kann.

…wenn schon wieder eine Entlassung ansteht und gleichzeitig ein neuer Intervall geplant wird.

…aber vielleicht für dieses Leben auch ganz NORMAL?!?!

Wenn…

…man einfach nicht mehr kann.

…die irrationalen Ängste nur noch blockieren.

…man nicht mehr funktionieren kann, sondern nur noch die Wände anschauen will.

…alles nur als anstrengend empfunden wird.

…die Selbständigkeit nicht mehr gewollt ist.

…die Tränen ständig fließen.

…der Wunsch nach Ruhe übermächtig wird.

…die Klinge wieder die Gedanken beherrscht.

…jeder neue Tag zur Herausforderung wird.

…man wieder ziemlich tief gefallen ist.

…man keine Lösung mehr sieht, weil man zu tief im Problem gefangen ist.

…der Notfalltermin beim Psychiater erst am 17.7. ist.

Ist dann der Wunsch nach Tavor gerechtfertigt?

Neues Chaos

War man zu lange weg? Hat man sich in der Zeit so stark verändert? Ja, manche Themen sind in den Hintergrund gerückt, andere dafür sehr stark nach vorn. War das heute das Problem? Ist das der Grund, warum man sich fehl am Platz gefühlt hat? So ein bisschen wie ein Betrüger, wie einfach nicht „richtig“. Vielleicht auch einfach nicht ernst genommen und unwichtig.

Vielleicht hatte sie aber auch einfach nur einen schlechten Tag. Vielleicht ist wirklich einfach nur viel Stress. Vielleicht wurden ihre Signale falsch gedeutet. Vielleicht war die Stunde wirklich zu kurz. Vielleicht waren beide Seiten heute einfach nur unsicher. Vielleicht ist im Moment zu viel vielleicht dabei.

Und wahrscheinlich müssen beide erst mal mit den vielen neuen Fragezeichen zurecht kommen und den Weg aus dem Chaos des „Neubeginns“ finden.

Und ja, 8 Monate sind eine lange Zeit und die stationäre, wie auch tagklinische Therapie war sehr intensiv und anstrengend. Im günstigsten Fall kann mit den Veränderungen weiter gemacht werden, im schlechtesten Fall muss eine neue Therapeutin gefunden werden… und ganz dringend ein Rezept für Tavor besorgt werden…